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Revision

 

Im Zuge der Erstausgabe der Noten zur Winterreise durch den Verleger Tobias Haslinger im Jahr 1828 erfuhr vor allem der Tonartenplan der Liederfolge eine Überarbeitung, welche die Entstehung ein bestimmten Bildes davon, wer ein idealer Interpret der Winterreise ist, initiiert: Es handelt sich nach allgemeiner Meinung um einen Bariton-Zyklus, im Gegensatz zur Schönen Müllerin, die weithin als Tenorzyklus angesehen wird. Angefangen bei den Sängerpersönlichkeiten aus Schuberts Umfeld (Johann Michael Vogl und Baron von Schönstein), über die prägende Sängerpersönlichkeit für die Aufführungsgeschichte dieses Zyklus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Julius Stockhausen, bis zu den herausragenden Interpreten mittlerer Stimmlage im 20. und 21. Jahrhundert, mit DEM Liedmissionar der Nachkriegszeit, Dietrich Fischer-Dieskau, an der Spitze, haben tatsächlich vor allem Bariton-Sänger das Bild eines möglichst idealen Werkinterpreten weiter geprägt. Ein Blick auf die Diskographie vertieft diesen Eindruck: mehr als 70 Aufnahmen durch mittlere und tiefe Männerstimmen stehen rund 20 Einspielungen durch hohe Männerstimmen gegenüber.

Das Editionsprojekt "Winterreise" wird möglichst differenziert betrachten, wie der Verlauf der Interpretationsgeschichte ist, nicht mit dem Ziel, Ideale zu revidieren, sondern um die gesamte Farbpalette des Lebenslaufes der Winterreise möglichst aufrichtig abzubilden.

 

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